Mein offizieller Status ist arbeitslos. Klingt im ersten Moment vielleicht bemitleidenswert oder verzweifelt.

Was erwarten die anderen?

Ich für meinen Teil habe mich noch nie derart frei gefühlt und war noch nie so gespannt, was die Zukunft bringt. Was ist anders?

Bisher habe ich immer einen Druck verspürt, dies oder das machen zu müssen. Weil es sich so gehört, weil das erwartet wird, weil ich soundso viel Geld verdienen und weiterkommen muss.

Fragst du dich auch, was deine Eltern sich wünschen? Vergleichst du dich mit deinen Freunden? Willst du deinem Partner* gefallen?

Von diesen Zwängen und dieser Denkweise habe ich mich in den letzten Jahren frei gemacht.

  • Einen Scheiß muss ich. Das ist mein Leben.
  • Nur ich bin für mein Leben verantwortlich.
  • Ich verschwende meine Zeit nicht mit etwas, das mir keine Freude bereiten.
  • Ich belaste mich nicht mit Dingen, die ich nicht ändern kann.

Im Nachhinein kommt es mir so vor, als hätte ich auf jemanden gewartet, der an meine Tür klopft und sagt: „Hallo, hier bin ich, ich bringe dein Leben jetzt in Ordnung.“

Ich war passiv, habe mein Leben passieren lassen. Hast du das Gefühl, du bist Herr über dein Leben?

Nimm dein Leben in die Hand.

Viele Dinge haben mich unglücklich gemacht, ich habe sie hingenommen. Viele Dinge konnte ich nicht beeinflussen, ich habe mich abgekämpft.

Zu vielen Dingen habe ich mich fälschlicherweise verpflichtet gefühlt. Lest dazu, wie lange ich mit meinem Patchwork gehadert habe. 

Meine Entscheidung zu kündigen war eine erste Befreiung und gleichzeitig eine Ermächtigung über mein Leben.

Warte nicht länger darauf, dass sich etwas ändert! Eine Beförderung? Mehr Geld? Sinnvollere Inhalte? Nettere Kollegen? Ein fähiger Chef? Pf.

Nimm dein Schicksal in deine eigene Hand und habe das Vertrauen darauf, dass es gut wird.

Wie heißt es so schön: Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Ob das nun Oscar Wilde sagte oder nicht.

Der Job macht einen Großteil der Lebenszeit aus. Willst du weiterhin, dass sich all diese Stunden verschwendet anfühlen. Scheiß auf deine Unsicherheit!

Verschwende nicht deine Zeit.

Findest du das eine schwierige Entscheidung`?

Ich habe in meinem letzten Job nicht schlecht verdient und aktuell keine große finanzielle Verantwortung. Keine Schulden, keine eigenen Kinder. Das erleichtert mir die Ungewissheit, wie es weitergeht.

Ich finde gleichzeitig, dass Geld nicht der entscheidende Faktor ist. Mache dir bewusst, was in deinem Leben wirklich wichtig ist und bemühe dich auf eine realistische Weise darum.

Damit meine ich: Ich werde vermutlich nie auf der Spiegel Bestseller-Liste stehen, ich werde vermutlich mit meiner Selbständigkeit nie steinreich und ich werde vermutlich nie alle Länder dieser Welt bereist haben.

ABER: Realistisch betrachtet kann ich sehr wohl einen Roman veröffentlichen, ein paar Euro selbständig dazuverdienen und möglichst viel reisen.

Das sind machbare Ziele, die einiges an Energie und Zeit fordern. Da ist keine Zeit für einen sinnlosen Vollzeitjob.

Als ich merkte, dass mich mein Job immer unzufriedener machte, habe ich meine Arbeitsstunden reduziert. Der Plan war, an dem fünften (nun freien) Tag durchzustarten und etwas aufzubauen, das mich erfüllt und glücklich macht.

Und was passierte? Kühlschrank abtauen. Fenster putzen. Ich habe festgestellt, dass ein zusätzlicher Tag – zumindest bei mir – nicht genug Energie freisetzt.

Kreativität braucht Langeweile.

An dieser Stelle der ultimative Tipp für dich: Setz dich als Beifahrer auf ein Motorrad und lass dich durch die Gegend schaukeln. 

Kein Gespräch, kein Netflix, kein Instagram, keine Zeitungsapp, keine Musik. Du bist unterm Helm so abgeschottet wie selten und die Ideen können in Ruhe Pingpong spielen.

Ich schaffe es im Alltag nicht, mich derart ohne Input von außen gedanklich treiben zu lassen. Der Entschluss zu diesem Blog ist auf dem Beifahrersitz gefallen.

Doch zurück: Ich habe gelernt, meine Prioritäten neu zu setzen. Stichwort: Was ist mir wirklich wichtig? Für diese Erkenntnis brauchte ich jede Menge Achtsamkeit, Vertrauen und Geduld.

Und es war ein trial and error. Ich habe es mit der Viertagewoche probiert und bin gescheitert. Wobei es ein notwendiger Schritt war, um den Mut zur Kündigung zu finden.

Unterm Strich hat es mehrere Jahre gedauert. Darüber werde ich dir noch mehr erzählen. Ein großes Hindernis sind all die Ausreden, die du parat hast.

Es gibt nichts zu bereuen.

Würde ich heute im Leben etwas anders machen? Oh ja! Bereue ich irgendwas? Nein, denn zu jedem Zeitpunkt ist man die gerade mögliche Version seines Selbst. Ok, das war jetzt sehr philosophisch. Aber so ist das Leben, es gibt für alles eine Phase. 

Und so hat es eines Montags einfach Klick gemacht und ich wusste, dass ich ganz kündigen werde. Am Ende war es ganz einfach. Das ist jetzt einige Monate her.

Aktuell sieht mein Traummodell so aus: Teilzeitjob für ein gesichertes Einkommen und nebenbei texten, filmen, fotografieren. Schaut mal in meine Palette.

Ich bin offen dafür, ob es wirklich so kommt oder vielleicht ganz anders. Nur eins weiß ich sicher: Ich werde morgens gerne aufstehen, da ich etwas gefunden habe, das mich zufrieden macht.

Wann stehst du morgens wieder gerne auf? Vorhang auf für dein Leben!